24 AUGUST - 14 SEPTEMBER 2019

Artikel

01.10.2019

Zum Tod von Jessye Norman, Musikfest-Preisträgerin von 2001

Jessye Norman ist tot! Die berühmte amerikanische Sopranistin, die als eine der größten Sängerinnen der zweiten Hälfe des 20. Jahrhunderts gilt, ist laut ihrer Familie im Alter von 74 Jahren in New York an den Folgen einer Rückenmarksverletzung gestorben. Geboren 1945 in Augusta im US-Bundesstaat Georgia, studierte sie an der Howard Universität in Washington, später am Peabody-Konservatorium und an der Universität von Michigan. Nachdem sie 1968 den Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München gewonnen hatte, gab sie im darauffolgenden Jahr ihr Operndebüt an der Deutschen Oper in Berlin. Sie blieb dem Haus vier Jahre verbunden und suchte sich danach ohne Bindung an ein Haus oder Ensemble ganz gezielt ihre Partien und Repertoires auf dem Gebiet der Oper, des Konzerts und des Kunstlieds aus. Mit der exzeptionellen Qualität ihrer Stimme, ihrer interpretatorischen Intelligenz und ihrer charismatischen Bühnenerscheinung avancierte sie zur Primadonna assoluta ihrer Generation. Ihr Bremen-Debüt gab Jessye Norman 1999 beim Musikfest mit einem Liederabend in der Glocke mit Werken von Richard Strauss, Francis Poulenc und Ernest Chausson. Ein Jahr später garantierte sie einen ungewöhnlichen Festival-Auftakt in einem Flugzeughangar der ASL-Werft Lemwerder: Mit »The Sacred Ellington«, einem von ihr konzipierten Programm unter der musikalischen Leitung von Mark Markham, gastierte die Künstlerin deutschlandweit exklusiv nur in der Hansestadt. 2001 war erneut ihr einziger Deutschland-Auftritt dem Musikfest vorbehalten, als sie in einem Recital in der Glocke Lieder von Schubert und Spirituals sang. Für diese dreijährige Treue zum Festival mit exklusiv zusammengestellten Programmen wurde sie im selben Jahr in der Oberen Rathaushalle mit dem Musikfest-Preis ausgezeichnet (siehe Foto). Intendant Prof. Thomas Albert zum Tod der Ausnahme-Künstlerin: »Mit Jessye Norman ist eine unvergleichliche Sängerin von uns gegangen. Sie wird mir als eine warmherzige, liebenswerte und ungemein einnehmende Persönlichkeit in Erinnerung bleiben, die mich neben ihren künstlerischen Verdiensten vor allem auch mit ihrem umfangreichen humanitären Engagement beeindruckt hat. Ruhe in Frieden, liebe Jessye Norman.«
Foto: Ralf Sieler