19. AUGUST – 09. SEPTEMBER 2023

Mythos Europa

MYTHOS EUROPA – KLÄNGE EUROPAS

Europas Geist wurzelt in der Antike und der Name unseres Kontinents wird seit dem Altertum mit der mythologischen Gestalt der Europa in Verbindung gebracht. Als phönizische Königstochter lebte sie der Sage nach an der Mittelmeerküste des heutigen Libanons. Göttervater Zeus verliebte sich in die schöne Frau und entführte sie als Stier verwandelt nach Kreta. Dort angelangt, zeugten Zeus und Europa drei Kinder, darunter Minos, der fortan Herrscher der Insel sein sollte, während seine Mutter Namensgeberin für den gesamten Erdteil wurde. Zu den wichtigsten Ideen, die im Zusammenhang mit dem »Mythos Europa« in die Welt transportiert wurden, gehört gewiss die der Demokratie. Doch im Rahmen einer kulturellen europäischen Identität spielten die Künste und in diesem Kontext besonders die Musik seit dem ausgehenden Mittelalter eine zentrale Rolle. Unter dem Titel »Mythos Europa – Klänge Europas« lenkt das Festival seit 2021 daher jährlich den musikalischen Blick in ein Nachbarland. Zum Start fiel die Wahl auf Belgien, dieses Jahr stehen die Niederlande im Mittelpunkt.

Die Niederlande entstanden als Staat am 26. Juli 1581, als sieben Vereinigte Provinzen unter der Führung von Wilhelm von Oranien ihre Unabhängigkeit von den spanischen Habsburgern erklärten. Doch als eigentliches Geburtsdatum gilt der 15. Mai 1648, als diese Unabhängigkeit im Westfälischen Frieden anerkannt wurde. Zeitlich genau dazwischen fällt das Schaffen von Jan Pieterszoon Sweelinck, der in Amsterdam insgesamt 44 Jahre Organist an der Oude Kerk war. Er übte großen Einfluss auf die Norddeutsche Orgelschule des 17. Jahrhunderts aus. Zu den Schülern des »deutschen Organistenmachers« zählten Andreas Düben, Jacob Praetorius, Heinrich Scheidemann und Samuel Scheidt – Komponisten, die beim ins Musikfest integrierten Arp-Schnitger-Festival neben dem Meister schon seit Jahren auf dem Programm zu finden sind. Eng verbunden mit der Bedeutung seiner historischen Orgeln – kein Land beherbergt davon so viele wie die Niederlande – ist auch die Entwicklung der historischen Aufführungspraxis. So waren schon beim ersten Musikfest im Jahr 1989 mit Gustav Leonhardt und Frans Brüggen zwei niederländische Pioniere der Alte-Musik-Szene in Bremen zu erleben.

Doch der Blick geht nicht nur zurück, sondern wendet sich auch aktuellen Repräsentant*innen des niederländischen Musiklebens zu. Bereits beim zweiten Musikfest spielte im Eröffnungskonzert das Royal Concertgebouw Orchestra. Seitdem war der renommierte Klangkörper bisher drei weitere Male zu Gast, nun kommt im Rahmen der Eröffnung erstmals das aus seinen Reihen gebildete Kammerensemble, die Camerata RCO. Am selben Abend gibt daneben die Niederländische Bachvereinigung ihr Festivaldebüt, die sich schon seit über 100 Jahren Werken der Bach-Familie widmet.

Sa 20. Aug / ab 19 Uhr (Rathaus und St. Petri Dom, Bremen)

In den folgenden Festivalwochen sind weitere Künstler*innen aus dem Nachbarland zu Gast:

Niederländischer Boden war immer schon besonders (Block-)flötenfreundlich, das zeigt sich in der Nachfolge eines Frans Brüggen oder Paul Leenhouts an der erst 23-jährigen Lucie Horsch. Ausgebildet an der Sweelinck Academie in Amsterdam, zählt sie schon heute zu den erfolgreichsten und bekanntesten Blockflötistinnen weltweit.

Sa 27. Aug / 18 Uhr (Museumsdorf Cloppenburg)

Das Orchester des 18. Jahrhunderts, von Frans Brüggen 1981 gegründet, war seit 1999 fünfmal an der Weser. Mehrfach im Jahr kommt es projektbezogen zusammen, um auf Tournee zu gehen – selbstverständlich mit historischen Instrumenten oder zeitgenössischen Kopien.

Di 30. Aug / 20 Uhr (Die Glocke, Bremen)

Der Pianist Rembrandt Frerichs kommt aus dem Jazz. Sein Interesse für den Klang Alter Musik und orientalischer Instrumente brachte ihn jedoch zum Hammerflügel – und er bildete ein Barock-Jazz-Trio. Zusammen mit Kayhan Kalhor, dem Meister an der persischen Kamantsche, begibt sich das Rembrandt Trio auf eine grenzüberschreitende Klangreise.

Mi 31. Aug / 21 Uhr (BLG-Forum Überseestadt, Bremen)