28. AUGUST – 18. SEPTEMBER 2021

Mythos Europa

Europakarte mit Belgien hervorgehoben

MYTHOS EUROPA – KLÄNGE EUROPAS

Europas Geist wurzelt in der Antike und der Name unseres Kontinents wird seit dem Altertum mit der mythologischen Gestalt der Europa in Verbindung gebracht. Als phönizische Königstochter lebte sie der Sage nach an der Mittelmeerküste des heutigen Libanons. Göttervater Zeus verliebte sich in die schöne Frau und entführte sie als Stier verwandelt nach Kreta. Dort angelangt, zeugten Zeus und Europa drei Kinder, darunter Minos, der fortan Herrscher der Insel sein sollte, während seine Mutter Namensgeberin für den gesamten Erdteil wurde. Zu den wichtigsten Ideen, die im Zusammenhang mit dem »Mythos Europa« in die Welt transportiert wurden, gehört gewiss die der Demokratie. Doch im Rahmen einer kulturellen europäischen Identität spielten die Künste und in diesem Kontext besonders die Musik seit dem ausgehenden Mittelalter eine zentrale Rolle. Die sprachund grenzübergreifende Kraft der Musik wurde zur gelebten Wirklichkeit. Adel und Klerus sowie prosperierende Handelsstädte nutzten Musik zur Repräsentation von Macht und Reichtum und zahlreiche Komponisten waren als Nomaden der Musik quer durch Europa unterwegs. Unter dem Titel »Mythos Europa – Klänge Europas« möchte das Festival ab 2021 daher jährlich den musikalischen Blick in ein unmittelbares Nachbarland lenken. Zum Start fiel die Wahl auf das Land, das mit Brüssel den Hauptsitz der Europäischen Union aufweist: Belgien.

Als eigenständiger Staat erst seit 1830 existent, kamen aus dem heutigen Grenzgebiet zwischen Frankreich und Belgien, das damals zum Herzogtum Burgund gehörte, an der Schwelle vom Mittelalter zur Renaissance entscheidende Impulse. Sie gipfelten im Bereich der geistlichen Musik in einer für ganz Europa prägenden Stilrichtung, der franko-flämischen Vokalpolyphonie. Der 500. Todestag ihres wichtigsten Vertreters, des Komponisten Josquin Desprez, bietet da den willkommenen Anlass, für eine frankoflämische Vokalnacht. Das Vokalensemble The Tallis Scholars füllt die drei Innenstadtkirchen Unser Lieben Frauen, St. Johann und den St. Petri Dom mit Gesängen der größten europäischen Komponisten belgischen Ursprungs des 15. und 16. Jahrhunderts mit drei aufeinanderfolgenden Programmen – eine Klangwolke der Stimmen in der Innenstadt.

Fr 03. Sept / 19 Uhr, 20:30 Uhr, 22:00 Uhr / Wandelkonzert

Doch der Blick geht nicht nur zurück, sondern wendet sich auch prägenden Persönlichkeiten des aktuellen belgischen Musiklebens zu. Mit dem in Löwen geborenen Tenor Reinoud Van Mechelen und seinem Ensemble a nocte temporis präsentieren wir einen der gefragten Bach-Interpreten
der Stunde. Nachhaltig empfohlen für das sakrale Repertoire des Barocks haben sich ebenso Lionel Meunier und sein in Namur gegründetes Ensemble Vox Luminis, die sich der Johannes-Passion von Bach widmen. Philippe Herreweghe wiederum hat seit seinem ersten Musikfest-Auftritt vor nunmehr 25 Jahren das programmatische Profil des Festivals kontinuierlich wie maßgeblich mitgeprägt. Dafür wird der aus Gent stammende Dirigent in diesem Jahr mit dem Musikfest-Preis ausgezeichnet. Mit dem Collegium Vocale Gent bringt er an zwei Abenden Madrigale von Carlo Gesualdo zur Aufführung, während er sich am Pult des Orchestre des Champs-Elysées mit zwei sinfonischen Meisterwerken von Mozart und Beethoven auseinandersetzt.

Sa 04. Sept / 20 Uhr
So 05. Sept / 19 Uhr
Do 09. Sept / 20 Uhr, Fr 10. Sept / 20 Uhr
Do 16. Sept / 20 Uhr


Das dritte zentrale Projekt mit einem musikalischen Blick auf Belgien ist interdisziplinär und richtet den Fokus auf Hans Memling. Um 1440 in Seligenstadt am Main geboren, zählte der Maler ab 1465 in der florierenden Handelsstadt Brügge zu den wichtigsten flämischen Meistern. Die auf seinem dreiteiligen Tafelbild »Gottvater mit singenden und musizierenden Engeln« gezeigten Instrumente hat Wim Becu vom Ensemble Oltremontano Antwerpen von Spezialisten detailliert nachbauen lassen und die thematisch dazu passende Musik ausgewählt. Mit gregorianischer Musik aus liturgischen Büchern und polyphonen Kompositionen aus der Zeit um 1500 in Brügge wird die auf Memlings Tafeln abgebildete himmlische Musik nun auch im Konzert live erlebbar!

Mi 15. Sept / 20 Uhr